Östrogene

 

 

 

Östrogene bei der Frau

Östrogene sind weibliche Geschlechtshormone. Zur Gruppe der Östrogene zählen das Östron, das Östradiol und das Östriol, wobei das Östradiol das wichtigste weibliche Geschlechtshormon ist. Sie bewirken z. B. die Reifung der Eibläschen (Follikel) in den Eierstöcken, lösen den Eisprung aus, gewährleisten den Transport des Eies durch die Eileiter in die Gebärmutter. Außerdem sorgen sie dafür, dass die Schleimhaut in der Gebärmutter wächst. Östrogene fördern zudem das Wachstum der Brüste und erhöhen die Schleimproduktion im Gebärmutterhals. Darüber hinaus zeigen Östrogene vielfache Wirkung auf den Stoffwechsel: Sie steigern beispielsweise die Durchblutung, führen zu Einlagerungen von Wasser, fördern die Produktion von Eiweißen, verbessern das Gedächtnis, stabilisieren das Immunsystem und halten die Blutgefäße elastisch. Die Temperaturregelung des Körpers steht ebenfalls in engem Zusammenhang mit ihnen. Östrogene wirken sich zudem positiv auf die Stabilität des Knochensystems und der Gelenke, Sehnen und Muskeln aus.

 

Schlosspraxis17

 

Östrogenproduktion im Körper der Frau

Die meisten Frauen bilden lebenslang Östrogene, denn diese werden außer in den Eierstöcken auch von Hautzellen, Fettzellen und den Nebennieren produziert. Mittlerweile weiß man auch, dass Fettgewebe – speziell das Bauchfett – hormonaktiv ist und fleißig für Östrogennachschub sorgt. Östrogene müssen deshalb nicht zwangsläufig ersetzt werden. Problematisch ist in gewissen Lebensphasen viel eher eine sogenannte Östrogen-Dominanz im Körper.

 

Östrogen-Dominanz

Zu Beginn der Wechseljahre ist die Östrogen-Dominanz (= Progesteron-Mangel) das hauptsächliche Problem. Sie bringt vielfältige Beschwerdebilder mit sich, wie Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Depressivität, Brustspannen (Mastopathie), Blutdruckschwankungen, Immunschwäche, Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen, geschwollene Beine, Heißhunger auf Süßes, trockene Schleimhäute, mangelnde Libido etc. Diese Phase des sinkenden Progesteronspiegels und der zunehmenden (relativen) Östrogen-Dominanz kann schon mit Mitte 30 beginnen, wenn die meisten Frauen noch gar nicht an die Wechseljahre denken. Grundsätzlich wirken sich Östrogene natürlich positiv auf den Körper aus. Sie fördern den zerebralen Blutfluss sowie das Wachstum von Nervenzellen und verbessern die Zellverbindungen im Gehirn. Außerdem schützen sie uns vor freien Radikalen. Zudem können sie die Aktivität des Neurotransmitters Serotonin erhöhen und die Wirkung von Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs) oder von 5-HTP verstärken.

 

Einsatz mit Vorsicht

Östradiol ist das Hormon, das sich am stärksten auf das Zellwachstum auswirkt. Deshalb wird dieses Hormon auch in Verbindung gebracht mit der Entstehung von mindestens sechs verschiedenen Tumorarten: der Brust, des Gebärmutterhalses, der Vagina, der Eierstöcke und des Dickdarms. In der Schlosspraxis Dres. Schlünzen setzen wir transdermale – das bedeutet durch die Haut aufgenommene – Östrogene, falls notwendig, äußerst vorsichtig und sorgsam ein. Auch verabreichen wir sie fast immer in der Kombination mit Progesteron, um die Risiken ihrer Anwendung auszugleichen.

 

 

Östrogene beim Mann

Östrogen, das weibliche Sexualhormon, spielt im männlichen Körper eine größere Rolle, als bisher angenommen wurde. Dass Östrogen auch beim Mann zirkuliert, wusste man zwar – der männliche Körper produziert es zum größten Teil aus Testosteron, dem männlichen Sexualhormon. Aber bei den «Wechseljahren des Mannes», der sogenannten Andropause, hatte die Medizin bisher vor allem das Testosteron im Visier. So wurden alle Beschwerden, unter denen Männer mit den Jahren leiden, dem sinkenden Testosteronspiegel angelastet.

 

Aktuelle Studie zeigt neue Zusammenhänge auf

Doch die Hintergründe sind weit komplexer. Das fanden Forscher der Harvard Medical School in einer aktuellen Studie heraus. Sie zeigt auf, dass Symptome wie der vermehrte Aufbau von Körperfett am Bauch und die nachlassende Lust im Bett, die in der Regel einem Testosterondefizit zugeschrieben werden, zum Teil oder sogar ausschließlich auf den Abbau von Östrogen beim Mann zurückzuführen ist.

 

Östrogenmangel macht Männer dick

Für die Studie wurden 300 Männer zwischen 20 und 50 Jahren über vier Monate hinweg behandelt. Bei allen wurde die natürliche Testosteronproduktion unterdrückt. Die eine Hälfte der Probanden erhielt ein Placebo, die andere einen echten Testosteronersatz in vier verschiedenen Abstufungen – von sehr niedrig bis normal. Diese Männer wurden zudem in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen die eine ein Zusatzmittel einnahm, das die Umwandlung von Testosteron in Östrogen unterdrückt. Die Effekte waren außergewöhnlich: Fast alle Teilnehmer der Studie, die einen reduzierten Testosteronspiegel hatten, bauten mehr Körperfett auf – doch die deutlichsten Fettreserven am Bauch zeigten jene mit tiefem Östrogenspiegel. Auch verzeichneten sie einen Verlust der Libido, am ausgeprägtesten jene mit wenig Östrogen. Die überraschende Erkenntnis war somit, dass Symptome, die bisher routinemäßig allein dem sinkenden Testosteronspiegel zugeschrieben waren, in Wirklichkeit auch auf einem Mangel an Östrogen beruhen können. Bei Männern wohlgemerkt.

 

Die richtige Balance ist entscheidend

An dieser Stelle sei aber nochmals darauf hingewiesen, dass auch bei Männern das Gleichgewicht der Hormone entscheidend ist. Östrogen beim Mann sollte also immer zugleich und in der Zusammenschau mit Progesteron, DHEA und Testosteron beurteilt bzw. bewertet werden. Und natürlich sollte auch bei Männern ein verhältnismäßiges Überwiegen des Östradiols mit seinen ungünstigen Wirkungen gerade im Stoffwechselbereich vermieden und ggf. ausgeglichen werden.